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DER MAIKÄFER, DER SEINE FLÜGEL VERLOR
Harry Jeschofnig
Aus "Kärntner Tageszeitung, 30. Mai 2001"
Es muss nicht immer Action pur sein, wenn man Kinder zum Lesen bewegen will. Wer sich Harry Jeschofnigs jüngstes Werk, "Der Maikäfer, der seine Flügel verlor", zu Gemüte führt, merkt bald, dass dieser Stoff durchaus auch für Erwachsene geeignet ist. Sein Käferchen verliebt sich nämlich in eine Grille und diese Liebe wird für ihn fast zu einer verhängnisvollen Affäre.
Ein Vogel, oder auch ein anderes Tier - die Auslegung liegt beim Leser - beraubt ihn nach einem Rendevous mit der Grille seiner Flughilfen und lässt ihn verletzt und tieftraurig auf dem Waldboden zurück. Ohne Frage kein guter Platz für einen Maikäfer. Aber das Tierchen lässt sich nicht unterkriegen, nimmt sich eine Nussschale und bereist damit per Wasserweg die Welt. Dass es dabei etliche Abenteuer zu bestehen gibt, manche mit etwas negativem Beigeschmack, ist selbstverständlich und gerade das macht das Buch so lesenswert.
Mit viel Liebe zum Detail geschrieben, ist "Der Maikäfer, der seine Flügel verlor" eine Parabel auf unsere Zeit, in der nur jene vollwertig sind, die bei allem und jedem am besten mithalten können.
Jeschofnigs Maikäfer verzagt trotz schwerer Schicksalsschläge nicht, sieht immer wieder einen Lichtstreifen am Horizont und verliert seinen Optimismus nicht. Am Schluss wird der Flügellose sogar Musikdirektor vom Grillenchor.
Die bunten, mit viel Liebe zum Detail und den jeweiligen Stimmungen gezeichneten Illustrationen stammen von Robert Absenger. Das Buch, ein ideales Geschenk, ist im Norea Verlag erschienen.
Aus "Kärntner Woche, 20 - 26. Juni 2001"
Der bekannte Künstler und liebenserte Märchenonkel Harry Jeschofnig legt mit dem Norea-Verlag ein neues Opus vor: "Der Maikäfer, der seine Flügel verlor" ist ein Märchen für Kinder, aber auch für Erwachsene. Es ist ebenso unterhaltend wie auch erzieherisch. Mit Hilfe der reizenden Illustrationen von Robert Absenger zeigt Harry, daß auch ein "Flügelloser" zum Musikdirektor des Grillenorchesters avancieren kann, wenn er nur will. Zuvor aber erlebt der Käfer spannene Abenteuer und traurige Verluste (die Flügel). - Ein herzhaftes Leseerlebnis! Ein Buch, das die ganze Familie begeistern kann!
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JOB - HIOB - GIOBBE
Janko Messner
Aus "Kleine Zeitung, 21. April 2000"
Janko Messner, Altmeister der Kärntner slowenischen Literatur, bringt seine erstmals 1974 erschienene knappe Prabel "Job/Hiob" neu heraus. A la senza confini - in den drei Sprachen der Region, illustriert mit Abbildungen von Harry Jeschofnigs "Pferd aus Stoßstangen". Hiob ist das schmale Gäulchen des Kleinbauern Krus·ej, dessen Wirtschaft an der Klagenfurter Flatschacher Straße liegt, einer Verkehrshölle, die er täglich überwinden muss, um seine Wiese zu erreichen. Lange verharrt die Geschichte in schwebender Unentschiedenheit, in "panischer" Sommerruhe, ehe sie umschlägt: bei Krus·ejs Überquerungsversuch kracht es. Das Pferd ist tödlich verletzt, die Hölle Realität geworden - oder ist es nur eine kurze Störung, ein Zwischenfall, eine unmerkliche Zäsur im Weltenlauf? Nein. Bei Messner wird dieses "letzte slowenische Pferd in Klagenfurt" zum Symbol alles Gefährdeten.
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HEIMATLIEDER
und andere Bosheiten / Domovinske pesmi in druge zbadljivke
Sas·ka Innerwinkler
Aus "Kleine Zeitung, 21. April 2000"
Sas·ka Innerwinkler, 1977 in Villach geboren, Kärntner Jugendbuchpreisträgerin 1994, schreibt bissige "Heimatlieder", allen bodenständigen Gesundbetern zum Ärgernis. Nun erscheinen ihre Gedichte zweisprachig. Lyrik in satirisch-poetischer Tonlage mit Anklängen an das französische Chanson, an Brecht und Tucholsky. Angriffslustig, uneingeschüchtert, herausfordernd. Österreichischer Alltag, gesehen durch die intellektuelle Brille der Sapho. Da wird nichts und niemand verschont, der Heimatbegriff seziert, unprätentiös seiner (heuchlerischen) Ingredienzien überführt: "Auf österreichisch/Po avstrijsko", heißt etwa: Still sein,/nur nicht auffallen!/Nichts denken,/nichts sagen,/sich mit allen vertragen!/Wenn schon,/dann mit dem Wind reden./Distanziert bleiben./Alle Farben auf Lager haben,/um,/falls nötig,/Farbe bekennen zu können.
Aus "Stimme von und für Minderheiten, Nr. I, 2000"
Das Lyrikdebut der jungen Kärntner Autorin (geb. 1977 in Villach/Beljak), Studentin der Germanistik, ist nicht ihr literarisches Debüt; als Schülerin erhielt sie den Jugendbuchpreis des Landes Kärnten für die Geschichte "Nora", die bei Heyn erschienen ist. Nun also Gedichte, noch dazu solche, als hätte sie geahnt, was sich gerade jetzt in Österreich abspielt. Es sind zeit- und gesellschaftskritische, satirische Texte u. a., Parodien und Heimatliedhinterfragungen, aber auch Liebesgedichte: Eines der schönsten, eine Liebeserklärung auf slowenisch "... Ljubim te"), wird zu einer ans Slowenische umgemünzt: "... So ist Slowenisch für mich zur Sprache der Liebe geworden." Sandra/Sas·ka hat eine slowenische Großmutter, aber ihre GroßMuttersprache verloren - ein Stück Kärntner Identität, die im Text "Sprache und Identität", ein Problem und Hauptthema der Literatur von "Minderheiten", noch deutlicher wird. Die Dichterin empfindet sich als Sekretärin ihrer Gedanken und sieht sich mit dem Bleistift, dem Skalpell, an der schmerzenden Arbeit der Geschichtsanalyse und Gegenwartserforschung. Es sind scharfe Gedichte, das Skalpell dringt tief ein und deckt auf. Fast an einen Gerichtsmediziner erinnert ihre Arbeitsweise, so eindringlich ist der Blick, die Diagnose. Der Heimatbegriff, ein Kärntner Lied, liegt auf dem Seziertisch, der Landeshauptkamm, der "... alle nach seiner Fasson schert und frisiert", und der selbe auch als GRÖLAZ, die Kirche, ein Derwürdenträger aus Wien ... und die braune Vergangenheit als Gegenwart, und werden arg zerzaust. "Land der Zwerge, Land der Gnome ... der Progrome ... Kleinkariertes, Großgeblumtes, Mein geliebtes Österreich."
Seit langem ist nicht mehr so scharf formuliert worden - außer vom Radsberg, vom Übersetzer, aber das ist ja bekannt. Die Dichterin solidarisiert sich mit dem Obdachlosen, dem Kleinen Mann, der Kleinen Frau, mit Kriegsdienstverweigerern und Deserteuren, mit der muslimischen Frau mit Kopftuch und hört mit ihrem sensiblen Ohr an den Mauern von Mauthausen den Schrei, das Stöhnen, die Tritte ...
Ein mutiges, kompromißloses Auftreten in einem Land, in dem der Bachmann-Preis von der Landesregierung "vergeben" wird.
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